Schmuckgürtler! Was ist das für Beruf?


Der Beruf der Schmuckgürtler ist heute selten geworden. Die vermutlich letzte Generation an Schmuckgürtlerinnen und Schmuckgürtllern, wurde vermutlich in den 1980er Jahren, bis zum Mauerfall, in der ehemaligen DDR ausgebildet.
Ich war eine davon!

Der Beruf der Schmuckgürtler entwickelte sich, soweit es mir bekannt ist, aus dem Beruf der Gürtler. Letzterer lässt sich bis ins Mittelalter zurückverfolgen. Bereits im 14.Jahrhundert existierten Gürtlerzünfte, aus den sich später beispielsweise die Berufe Korpusgürtler und Schmuckgürtler entwickelten.
(Gürtler stellten, nicht wie man vermutet Gürtel her, sie fertigten Riemenzeug, Zierplatten, Beschläge usw.)

Jeder dieser Berufszweige tangiert den anderen in irgendeiner Weise und beschreibt eine spezialisierung des Gürtlerberufes.
Während der Korpusgürtler Gebrauchsgegenstände wie Gefäße, Leuchter und Kelche herstellt, fertigten Schmuckgürtler Anhänger, Kettenelemente, Broschen, Abzeichen oder Schmuckbeschläge an.

Schmuckgürtlerausbildung im 20.Jahrhundert
In unserer Ausbildung, die anfangs in einer eigens dafür eingerichteten Lehrwerkstatt stattfand, wurde auf all die Dinge Wert gelegt, die auch im klassischen Goldschmiedehandwerk vermittelt werden. Wir benutzten die gleichen Werkzeuge wie Goldschmiede und erlernten die selben Techniken. Schmuckgürtler-Lehrlinge arbeiteten mit "unedelen" Metallen, zu denen Tombak (eine Messinglegierung), Neusilber und Kupfer gehörten. Wir wurden ausgebildet um Modeschmuck anzufertigen.
Im Gegensatz zur Goldschmiedeausbildung wurde die Schmuckgürtlerausbildung jedoch schrittweise auf die industrielle Schmuckfertigung ausgerichtet. Neben den handwerklichen Techniken wurden später auch Produktgestaltung und die Dokumentation der Arbeitsabläufe im Bezug auf effektive Akkordarbeit unterrichtet. Wir durchliefen während der Ausbildung alle Abteilungen des Betriebes. Von der Stanzerei über die Galvanik (Schmuckverdelung) bis hin zur Abteilung Forschung und Entwicklung, und der Technischen Endkontrolle. Im letzten drittel der Ausbildung wurden wir in die Brigaden des Betriebes aufgeteilt um in die Serienfertigung, auf die alles ausgerichtet war, eingeführt zu werden.

Innerhalb der monotonen Serienfertigungen blieb kein Spielraum dafür eigene Ideen zu entwickeln geschweigedenn Schmuck zu gestalten. Ich wusste, dass ich das, was ich gelernt hatte anders umsetzen wollte, aber mir war nicht klar wie das gehen sollte. Die Möglichkeiten waren mehr als begrenzt!




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